25.8.12

Blogger Wilf ist auf Tauchstation

Seit meinem Ausscheiden aus dem Grossen Rat des Kantons Bern und der Übergabe des Präsidiums des Männerforums habe ich mich in verschiedener Hinsicht neu ausgerichtet.
Ich habe es aufgegeben, in den verschiedenen Social Media mitzuhalten und Zeit zu investieren.
Ich werde mich wohl in Zukunft eher in eine "Retro-Bewegung" investieren, die wieder ganz bewusst auf diese vielfältigen Möglichkeiten verzichtet und sich wieder vermehrt ins reale Leben investiert!
Meinen Blog lasse ich offen, und wer mit mir Kontakt aufnehmen will, darf das gerne tun.
Wilf Gasser, August 2012

28.1.10

www = wilf wieder wählen

Die Grossratswahlen stehen schon wieder vor der Tür. Ich bin nach 5 Jahren Erfahrung im Parlament und in der Oberaufsichtskommission (Geschäftsprüfungsk.) gerade so richtig warmgelaufen als Politiker und habe Spass an meinem neuen "Hobby", der Gestaltung des Bernischen Gesundheitswesens.
Nun brauche ich deine Unterstützung, damit wir meinen Sitz für die Stadt Bern auch in diesen Wahlen wieder gewinnen können. Es braucht dieses Jahr besondere Anstrengungen, denn mit dem Auftritt von neuen Parteien wie BDP und GLP ist die Luft für die EVP als Partei der Mitte etwas dünner geworden.
Falls dich meine politischen Überzeugungen im Detail interessieren, hier der Link zu Smart Vote. http://www.smartvote.ch/smartvote/popups/candidate_portrait/portrait_spider.php?eid=49&cid=4941&language=de_CH&is_visible=1
Du wirst schnell sehen, ich bin kein schwarz-weiss-Denker, sondern eher ein Mann der Zwischentöne und ein Brückenbauer. Aber genau das braucht es um in unserer Politlandschaft etwas bewegen zu können.

17.11.09

Keine Tabu's in der Spitalversorgung

Spitalneubau: Inselareal statt Tiefenau
Die BZ vom 16.11.09 berichtet: Die Diskussion um den geplanten Spitalneubau geht in eine neue Runde. Grossrat Wilf Gasser verlangt per Motion, dass das Inselareal als alternativer Standort geprüft wird.

5.11.09

Sind fromme Lehrer so gefährlich? Podiumsdiskussion

Bund und BZ berichteten über die von der VBG-Lehrerbildung organisierte Podiumsdiskussion an der Uni Bern. Fazit: Wirklich gefährlich sind sie nicht...
Ich hätte eigentlich gerne rübergebracht, dass fromme Lehrer und Lehrerinnen tausendfach als sehr engagierte Lehrkräfte einen wichtigen Dienst tun und überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft zeigen. Die Freidenkerin Frau Caspar erzählte als Beispiel für die "Gefahr", ein Kind sei von der Tagesschule nach Hause gekommen und wollte nun plötzlich auch zuhause ein Tischgebet sprechen. So etwas darf Eltern nicht zugemutet werden...

"Es gibt keine wertneutrale Bildung!" Mein Interview mit der BZ vom 6. Juni 09

«Es gibt keine wertneutrale Bildung»

Die Vereinbarkeit von Glauben und Lehrberuf sorgte in letzter Zeit für Diskussionen. Für Grossrat Willfried Gasser (EVP, Bern) ist dies kein Thema. Gerade für einen Lehrer sei es wichtig, offen zum eigenen Glauben zu stehen.

Fordert Offenheit: EVP-Grossrat Willfried Gasser

Fordert Offenheit: EVP-Grossrat Willfried Gasser (Bild: Urs Baumann)

Artikel zum Thema

Die Kritik an der Vereinbarkeit von Glauben und Lehrberuf wird immer lauter. Für den grössten Unmut sorgt die Befürchtung, dass evangelikale Lehrer missionieren könnten. Die Schweizerische Evangelische Allianz, deren Präsident Sie sind, stellt sich hinter die Lehrer. Wieso? Willfried Gasser: Wir setzen uns ein für einen integrierten Glauben, welcher mit dem Alltag in Verbindung steht, sprich mit dem Familienleben, der persönlichen Integrität, dem sozialen Engagement und dem Beruf. Wir wollen keinen Glauben, der als religiöses Ritual auf die Kirche fokussiert. Der Glaube soll das Leben durchdringen. Hier kann es natürlich zu Problemen kommen. Gerade in der Schule, wenn das nicht weise angegangen wird und gewisse Christen versuchen, ihren Glauben anderen überzustülpen. Aber ich gehe davon aus, dass das eine kleine Minderheit ist.

So klein ist die Gruppe offenbar nicht, wie die Ergebnisse eines aktuellen Nationalfondsprojekts an der Pädagogischen Hochschule Bern aufzeigen. Gerade die gezielte Organisation der Freikirchler wird hier als Problem identifiziert. Da sind Sie einer Verschwörungstheorie aufgesessen. Es stimmt nicht, dass Freikirchler an die Pädagogische Hochschule «drängen». Als Mitglied der «Leiterkonferenz der Freikirchen» weiss ich, dass dies noch nie in irgendeiner Form ein Thema war. Aber wenn man geschichtlich zurückblickt, haben Christen über die Jahrhunderte hinweg viel gesellschaftliches Engagement gezeigt. Das christliche Element war entsprechend schon immer stark in der Pädagogik vertreten. Auch die sogenannte «Fischli-Fraktion» ist kein neues Element. Es gab immer einen überdurchschnittlich hohen Anteil bekennender Christen im sozialen Bereich.

Viele Studenten und Lehrer äussern aber immer lauter Ihre Probleme mit den «Freikirchlern» an den Schulen. Auf was führen Sie dies zurück? Zuerst eine wichtige Korrektur. Die Freikirchen sind ein sehr bunter Verband, und bekennende Christen gibt es auch in den Landeskirchen. ‹Die› Freikirchler gibt es also eigentlich nicht. Als Evangelische Allianz ermutigen wir Menschen zu mehr gesellschaftlichem Engagement, und wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, dass der Glaube raus in die Gesellschaft gehört. Diese Überzeugung wird heute auch von vielen Freikirchen vertreten. Vermutlich haben nicht alle die nötige Weisheit im Umgang mit Andersdenkenden. So kann es durchaus sein, dass Studenten die aufeinanderprallenden Weltanschauungen als Problem wahrnehmen, aber auch das ist nicht so neu.

Wo verläuft da genau die Grenze zwischen Glauben und Missionieren im Unterricht? Ich glaube nicht, dass man hier eine scharfe Grenze ziehen kann. Glaube ist letzten Endes eine Haltung. Jeder Lehrer, ob politisch grün oder sehr sozial geprägt, das drückt sich aus. Es gibt ja keine wertneutrale Bildung. Wenn ich zurückblicke auf meine Schulzeit, so wusste ich recht gut, für was die jeweiligen Lehrer eingestanden sind, weil das, was sie waren, eingeflossen ist. Das ist bei Christen nicht anders. Es ist deshalb nicht möglich, Schwarz-Weiss-Grenzen zu definieren. An einer pädagogischen Hochschule müssten die Spannungsfelder anhand eines Leitbildes offen thematisiert werden. Es ist gut, wenn sich Studenten etwas streiten über gewisse Themen. Gerade im Hinblick auf die kulturelle Durchmischung.

Hier geht es ja aber nicht nur um eine Haltung, die jemand einnimmt. Wie das Beispiel der Evolutionstheorie zeigt, haben Evangelikale Mühe, wissenschaftlich zu lehren. Die Gruppe von Christen, welche die ganze Evolutionstheorie ablehnt, ist sehr klein. Wichtig ist den meisten der Schöpfungsglaube, dass es einen Gott gibt, der die Welt erschaffen hat und der nach wie vor eine Beziehung zu uns Menschen sucht. Das macht für mich den Glauben aus. Schöpfung steht nicht automatisch im Widerspruch zur Evolutionstheorie. Aber dort, wo jemand mit dem Darwinismus den Schöpfer wegerklären will, provoziert dies natürlich gläubige Christen, und sie machen darauf aufmerksam, dass auch die Evolutionstheorie nicht alle Fragen beantworten kann.

Argumentieren Sie nicht weltfremd? Wenn solche Glaubensansichten in den allgemeinen Unterricht einfliessen, muss das doch zwangsläufig zu Reibereien mit der Wissenschaft führen? Ich habe das in meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung nicht negativ erlebt. Es braucht eine gewisse Bescheidenheit von beiden Seiten. Die Spannung ist aber da und könnte sich noch verstärken, wenn zum Beispiel zunehmend auch muslimische Lehrer an die Schule kommen. Ich denke aber, dass jeder überzeugte Pädagoge hinstehen und sagen kann, was er glaubt. Egal welchem Glauben er angehört. Zu sagen, was man glaubt, und das noch zu begründen, finde ich wichtig für jeden Menschen. Und als Lehrer hat man nun mal eine gewisse Prägung. Die Eltern haben diese ja auch. Ich glaube grundsätzlich, dass christliche Werte viel Positives in die Schulstube hineinbringen können. Diese wurden zum Teil ja auch als humanistische Werte übernommen. Das Problem ist ein gewisser Absolutheitsanspruch, den das Christentum seit je hat. Diesen im Alltag zu leben, ohne dass es für andere bedrängend wird, ist herausfordernd.

Müsste man den Religionsunterricht ausweiten und auf eine wissenschaftliche Ebene heben? Glaubensüberzeugungen fliessen auch in die wissenschaftliche Arbeit ein, aber man muss die Ebenen in der Schule nicht vermischen. Das Verständnis für die Weltreligionen ist sehr wichtig. Ausserdem ist es aber ebenso von Bedeutung, dass der Mensch seine eigenen Wurzeln kennt. Wenn man unsere Kultur mit anderen vergleicht, dann liegen Welten dazwischen. Ich glaube, dass wir in der Schweiz das Christentum als Leitkultur weiterhin pflegen müssen. Je besser ich meine eigene Kultur kenne, desto besser verstehe ich auch die fremden Religionen. Es darf aber nicht in Fanatismus ausarten.

Die Verbindung von Glaube und Lehrberuf ist Ihrer Meinung nach kein Problem? Das haben wir ja mittlerweile über Jahrhunderte bewiesen. Im Gegenteil kann eine gesunde Glaubensüberzeugung den Unterricht eines Lehrers positiv befruchten.

Ist die momentane Diskussion demnach hinfällig? Ich sehe sie als Chance für die pädagogischen Hochschulen, sich bewusster mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, denn eine multikulturelle Schweiz kommt daran nicht vorbei. Aber vieles daran ist sehr aufgebauscht und wird vorbeigehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.06.2009, 13:30 Uhr

9.2.09

TV-Sendung mit Gassers: Beziehungskisten / Marriage Week

Aus Anlass der Marriage Week 2009 produzierte Fenster zum Sonntag die Sendung "Beziehungskisten". U.a. mit wunderschönen Bildern von unserem geliebten Hobby.

Mach mit bei Marriage Week!

Vielleicht hast du die Marriage Week 2009 verpasst. Dann mach dir doch jetzt schon Gedanken darüber, was nächstes Jahr dein Beitrag sein könnte...

Einen Unterschied in jedem Zuhause
Ist es möglich die Rate von zerbrochenen Ehen und Familien in der Schweiz zu beeinflussen? Vielleicht erlebst du selber Schwierigkeiten in deiner Ehe oder in der Ehe deiner Kinder. Wir alle wissen um den negativen Einfluss, den kriselnde Beziehungen auf die Kinder wie auch auf die Gesellschaft haben. Gibt es aber Möglichkeiten auch eine positive Veränderung zu bewirken?

Warum nicht pro-aktiv werden?
Jedes Jahr in der Woche vor dem Valentinstag (7.-14. Februar), ruft Marriage Week alle Ehepaare in der Schweiz auf, in ihre Ehe zu investieren. Denn oft wird dies vernachlässigt, und Paare nehmen an, es genüge verliebt zu sein. Aber für eine erfüllende und stabile Beziehung braucht es etwas mehr bewussten Einsatz. Mit einer Botschaft der Hoffnung will die Marriage-Week-Initiative dazu ermutigen und somit langfristig einen Unterschied machen.

Jedes Jahr mehr Anlässe
Marriage Week ist quasi ein leeres Gefäss und lebt davon, dass Private, Vereine, Kirchen und Institutionen Anlässe organisieren. Restaurants laden zum Beispiel zu einem Ehe-Dinner ein, eventuell verbunden mit einem Kurz-Vortrag. Hotels bieten spezielle Angebote für Ehepaare an. Kirchgemeinden organisieren eine Podiumsdiskussion oder laden zu einem Schnupperabend für einen Ehekurs ein. Eine Gruppe von Freunden organisiert einen Tanzabend oder gar einen Ball. Blumengeschäfte oder Buchhandlungen nutzen die Woche für spezielle Aktionen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt... Die Internetseite www.marriageweek.ch bietet viele Informationen und Links an, welche für interessierte Ehepaare wie auch für Organisatoren von Anlässen hilfreich sind.

Du kannst helfen
Möglicherweise gibt es in deiner Umgebung bereits eine Gruppe, welche Marriage Week unterstützt. Aber du kannst natürlich gerne auch selber einen Anlass organisieren. Oder vielleicht bist du in der Lage, finanziell etwas beizutragen...
Die Herausforderung ist gross, aber es macht auch Spass, gemeinsam einen Unterschied zu machen für die Familien und Ehepaare unseres Landes!

Interview zu Marriage Week 2009

Beziehungskiller und romantische Stunden

Christa und Wilf Gasser unterstützen aktiv die Marriage Week. Sie beraten andere Paare, arbeiten aber bewusst auch an der eigenen Ehe. Wir befragten sie zum Geheimnis einer glücklichen und stabilen Ehe.


Christa Gasser, Wilf Gasser, Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?

Wilf Gasser: Man weiss viel besser was eine Ehe auseinander bringt, als was eine gute Ehe ausmacht. So sind nörgelnde Kritik und verachtendes Verhalten sichere Beziehungskiller. In einer guten Ehe hat man sich jedoch den Respekt füreinander bewahrt und man hat gelernt, einen andern Standpunkt stehen zu lassen. Man bleibt auch nicht am Negativen hängen, sondern kann sich immer wieder darauf besinnen, was man Positives im Andern hat.

Wie viel „Unterhalt“ benötigt eine Ehe?

Christa Gasser: Der „Unterhaltsbedarf“ ist sehr individuell, aber niemand kommt darum herum, in die Ehe zu investieren. Und je früher wir damit beginnen, desto leichter fällt es uns, gut unterwegs zu bleiben. Aber selbst wenn in unserem „Ehehaus“ mal eine ganze Hauswand zusammenbrechen sollte, ist die Ehe nicht einfach am Ende, sondern nur mal „gebrochen“ und kann wieder hergestellt werden. Sehr problematisch sind aus unserer Sicht die romantischen Hollywood-Vorstellungen, welche ganz auf verliebte Gefühle aufbauen. Sind diese dann verflogen und treten massive Konflikte auf, stellt man die Beziehung als Ganzes in Frage und sucht sich eine Neue.

Wo beginnt es in der Ehe in der Regel am ersten zu kriseln?

Wilf G.: Dies kann man nicht pauschal sagen. Aber sicher wird es problematisch, wenn man sich über die Andersartigkeit des Partners/ der Partnerin zu nerven beginnt, vielleicht weil die Veränderungsversuche nicht zum Ziel führen oder man sonstwie mit enttäuschten Erwartungen leben lernen muss. Wer hier nicht radikal Versöhnung praktiziert, wird langsam bitter und verliert die Herzensverbindung.

Welche Rolle spielt der Sex in der Ehe?

Christa G.: Die Bedeutung der Sexualität wird in der Regel überschätzt. Denn selbst wenn im Bett nur noch wenig oder gar nichts mehr läuft, kann man trotzdem eine gute Beziehung haben. Aber die Sexualität ist natürlich eine geniale Möglichkeit, Nähe in der Beziehung herzustellen oder Nähe auszudrücken. Weil wir aber als junge Menschen Sexualität auf uns selber bezogen entdecken und kennen lernen, bleiben leider viele auf dieser egozentrischen Schiene gefangen. Dies wird oft noch verstärkt durch Pornographie oder romantische Tagträume. Wenn dann die leidenschaftlichen Gefühle mal weg sind, wird die sexuelle Begegnung schwierig. Paare müssten nun ganz neu lernen, Sexualität auf’s Andere ausgerichtet zu leben. Stattdessen geben manche die Beziehung auf, oder sie arrangieren sich mit einer unbefriedigenden sexuellen Beziehung.

Sind Kinder eine Gefahr oder ein Kitt für ein glückliches Eheleben?

Wilf G.: Kinder sind nur dann eine Gefahr, wenn sie zum Partner-Ersatz werden. Aber ansonsten geben sie einer Beziehung auch Sinn und Aufgabe. Dies erfahren insbesondere kinderlose Paare, welche sich ihren „Lebenssinn“ viel bewusster suchen müssen. Wer Kinder als Kitt in der Beziehung braucht, lebt äusserst gefährlich.

Welchen Rat gebt Ihr Ehepaaren mit, die eine Ehe auf Dauer gründen wollen?

Christa G.: Paare müssen verstehen, dass Beziehung immer Arbeit bedeutet. Die meisten finden sich ja aufgrund des Mottos „Gegensätze ziehen sich an“. Und je grösser die Unterschiede sind, desto mehr muss in den „Brückenbau“ investiert werden. Es braucht deshalb immer wieder neu die Bereitschaft, sich auf die Partnerin oder den Partner einzustellen, Andersartigkeit zu akzeptieren, aber selber auch Veränderungs- und Kompromissbereit zu sein.
Und die wohl wichtigste Voraussetzung für eine dauerhafte, glückliche Ehe ist eine radikale Versöhnungsbereitschaft.

Was macht Ihr konkret in der Marriage Week?

Wilf G.: Schweizweit gibt es hunderte von Angeboten. Wir persönlich halten wieder ein Seminar über „Wachsende Intimität in der Ehe – Wege zu einer erfüllenden Sexualität“. Und in diesem Rahmen laden wir am Samstagabend auch zu einem öffentlichen Candlelight-Dinner mit romantischer musikalischer Umrahmung und kurzen Inputs über gelingende Beziehung ein. Während der Woche sind wir zweimal zu einem Marriage Week Dinner eingeladen, wo wir ebenfalls kurze Inputs über wachsende Intimität halten werden.
Privat möchten wir einige befreundete Paare einladen, um gemeinsam unsere Ehen zu feiern.

Die Fragen stellte Fritz Imhof

18.6.08

IDEA-Interview zur Präsidentenwahl

Fragen an den neuen SEA-Präsidenten Wilf Gasser


idea: Braucht die Schweizerische Evangelische Allianz einen Arzt?
Wilf Gasser: Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass die SEA speziell einen Psychiater braucht... Aber in einer breiten Bewegung wie der SEA können alle, die sich engagieren wollen, einen wichtigen Beitrag leisten. Wenn mein medizinischer Hintergrund dabei hilfreich ist, freut es mich. Doch ich werde sicher nicht deswegen gewählt.

Was führt Sie zu dieser Aufgabe?
Das Anliegen für das Miteinander im Leib Jesu wurde mir irgendwie in die Wiege gelegt. Es hat ganz stark mit meiner Biographie zu tun. Ich bin ich einer Chrischona-Gemeinde aufgewachsen und habe sie positiv erlebt. Dann habe ich weitere Werte aufgenommen durch mein Engagement in der VBG. Ich habe Freunde und Verwandte im gesamten Spektrum der Gemeinden. Daraus sind bei mir die Freude und die Wertschätzung für die verschiedensten Beiträge im Leib Jesu gewachsen.

Ist Ihr Weg in die Leitung der SEA auch ein Beispiel für Gottes Führung?
Mein Name Willfried ist so etwas wie mein Programm. Ich bin gerne Brückenbauer und sehe gerade in dieser Funktion eine Möglichkeit, meine vielfältigen Erfahrungen einzubringen. Ich habe den Eindruck, ich sei in den vergangenen 30 Jahren auf diese Aufgabe vorbereitet worden.

Wird die SEA unter der Leitung eines Berner EVP-Grossrats politischer?
Ich denke nein. Politik heisst für mich gesellschaftsrelevantes Handeln, und das ist ja schon bisher das Anliegen der SEA. Die SEA soll auch nicht in erster Linie ein politisches Organ sein, sondern wirklich Jesus repräsentieren. Sie soll ein Ausdruck des Leibes sein, den sich Jesus erworben hat. Ich habe keine politische Agenda für die SEA. Das lebe ich an andern Orten aus.

Die politische Ausrichtung der SEA gibt immer wieder zu reden. Wo steht sie?
Die Frage von links und rechts ist für mich völlig irrelevant. Ich möchte vielmehr wissen, was das biblische Wort und Gottes Wesen am besten repräsentiert. Doch auch darüber kann man verschiedener Meinung sein.

Täuscht der Eindruck, die EVP neige eher zur SEA und die EDU eher zum VFG, dem Freikirchenverband?
Ich glaube nicht, dass man das grundsätzlich so sagen kann. Ich vertrete Vineyard ja auch im VFG. Der Unterschied ist sicher, dass der VFG ein hierarchisch strukturierter Verband mit den Leitungspersonen aus den einzelnen Werken ist. Hier geht es mehr um Strukturen. Die SEA ist eine Bewegung. So erlebe ich auch den Unterschied zwischen den beiden Parteien. Die EDU ist eher dogmatisch orientiert und die EVP eher eine weniger klar fassbare Bewegung.

Warum braucht es nach wie vor zwei Verbände?
Gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit. Die SEA repräsentiert auch Christen mit ähnlichen Wertvorstellungen aus der evangelischen Landeskirche und aus den wachsenden nichtverfassten Gemeinden. In vielen ähnlichen Anliegen versuchen wir zusammenzuarbeiten. Doch nimmt der VFG als Interessenverband auch spezifische Aufgaben der Freikirchen wahr, wie die Anerkennungsfrage oder die Steuerbefreiung von Spenden.

Wie erklären Sie einem „Blick“-Reporter den Auftrag und den Stellenwert der SEA?
Die SEA ist eine Bewegung, die Menschen verbindet, die in unserer Gesellschaft biblische Werte zum Tragen bringen und ein Hinweis auf die befreiende Kraft des Evangeliums sein wollen. Die SEA ermuntert die ihr nahe stehenden Leute, in unserer Gesellschaft einen konstruktiven Beitrag zu leisten und so Gottes Wesen sichtbar zu machen. Die SEA repräsentiert rund 250'000 Menschen, welche das Miteinander suchen und schätzen. Wir glauben, dass diese Menschen in der Gesellschaft einen wahrnehmbaren Unterschied ausmachen und verändernd wirken können.

Was soll sich daran unter dem neuen Präsidenten ändern?
Die SEA ist erfreulich gut unterwegs, und ich will den bisherigen Kurs weiter verfolgen. Es liegt mir viel daran, dass wir christliche Werte und Anliegen für die Bevölkerung nachvollziehbar kommunizieren. Denkbar wäre, dass meine grössere Bekanntheit in den Medien auch mehr Angriffsflächen und Provokationen bietet.

Wird die SEA künftig stärker provozieren?
Ich bin nicht der Typ, der um der Provokation willen provoziert. Aber ich werde auch nicht kneifen, wenn ich durch eine klare Stellungnahme zum Provokateur werde.

Bei welchen Themen werden sie demnach provozieren?
Ich denke an Themen wie das Lebensrecht, die Sterbehilfe oder die bessere Integration von Fremden. Aber auch an unseren Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft über unser Land hinaus. Stichwort „Stop Armut“ und die schrittweise Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Die SEA sorgte im letzten Jahr mit der Kampagne „Stopp Suizid“ für Aufsehen. Und in diesem Jahr?
Ich könnte mir vorstellen, dass wir den ganzen Bereich der Familie noch mehr zum Thema machen. So habe ich auch den Auftrag entgegen genommen, eine Arbeitsgruppe „Familie“ zu gründen. Persönlich wirke ich auch in der Spurgruppe der „Marriage Week“ mit, eine riesige Chance!

Wo wollen Sie ansetzen beim Thema „Familie“?
Ich glaube, dass die Schweizer Bevölkerung konkrete Hilfestellungen braucht, um Familie wirklich zu leben. Mit Ehekursen, Ehevorbereitungen oder Familienberatungen gibts in christlichen Kreisen schon wertvolle Angebote. In dieser Richtung müssen wir uns überlegen, was hilfreich ist für die Gesellschaft.

Planen Sie weitere Arbeitsgruppen?
Einzig im Bereich Senioren sind wir noch dran, das grosse Potenzial vermehrt zu nutzen und zu überlegen, wie sich auch Senioren aktiver beteiligen könnten am gesellschaftlichen Leben.

Befürchten sie nicht eine Verzettelung der Kräfte angesichts von bereits 14 Arbeitsgruppen?
Nein, denn die einzelnen Arbeitsgemeinschaften versuchen ja, bereits bestehende Werke und Fachleute in ihrem Bereich zu vernetzen und dadurch mehr Dynamik und Effizienz zu entwickeln. Es kann aber auch sein, dass wir eine Arbeitsgemeinschaft sterben lassen, wenn sie keine aktuellen Bedürfnisse mehr deckt.

Wie wollen Sie feststellen, was die Basis wirklich bewegt?
Das kann durch unsere Sektionen und die breit abgestützten Arbeitsgemeinschaften geschehen. Wir wollen auch durch eine aktive Medienarbeit die Nase noch vermehrt im Wind haben, um festzustellen, was sich so tut in der Gesellschaft.

Sehen Sie in absehbarer Zeit eine Annäherung an die katholische Bischofskonferenz und den Evangelischen Kirchenbund?
Ich pflege persönliche Kontakte zur katholischen Seite, und werde das weiter tun. Zum Kirchenbund und zum VFG bestehen seit Jahren gute, etablierte Beziehungen, so dass sich nicht speziell etwas ändern muss.

Die Ökumene wird weiterhin kein Thema sein?
Mir ist wichtig, dass ich auf persönlicher Ebene Kontakte auch zu katholischen Christen habe und ihnen Wertschätzung zeige für den Beitrag, der aus dieser Ecke der Kirche kommt. Für Annäherungen auf institutioneller Ebene sehe ich keinen Bedarf. Dazu wäre die Zeit auch nicht reif. Doch mir ist ganz wichtig, dass wir uns als Allianzchristen auch nicht durch Abgrenzung zu anderen Christen profilieren wollen.

Um den von der SEA angeregten Runden Tisch mit Muslimen und Minarettgegnern ist es ruhig geworden. Ist er am Ende?
Wir haben mit allen Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Darum kann ich dazu nichts sagen. Doch die Sache ist nicht abgeschlossen.

Bei vielen Freikirchlern ist die Angst vor einer Islamisierung der Gesellschaft gross. Wie reagieren Sie als Christ?
Ich gehe davon aus, dass Jesus auch diese Ängste überwunden hat. Zudem zeigt die Geschichte, dass das Christentum auch in Zeiten von Drohungen und Anfeindungen nicht weniger lebendig war. Für mich ist jedoch nicht der Islam die grosse Bedrohung, sondern die Tatsache, dass sich die Menschen immer mehr von Gott abwenden und grundsätzlich nicht auf ihn ausgerichtet leben. Ich will klar sagen, dass auch ich Respekt habe vor dem radikalen Islam. Doch Angst oder negative Abgrenzungen sind falsche Ratgeber.

In etlichen Gegenden kommt die Evangelische Allianz kaum vom Fleck. Wie lässt sich das ändern?
Die Situation ist uns nicht gleichgültig. Wir haben darum auf diesen Sommer hin einen teilzeitlichen Mitarbeiter angestellt, nämlich Pfarrer Thomas Beerle, Präsident der lokalen Sektion in Buchs im Rheintal. Er soll helfen, den lokalen Sektionen mehr Identität und Schlagkraft zu geben.

Wie viele blühende Allianz-Sektionen gibt es im Moment?
Allianzen mit grosser Ausstrahlung gibt es vielleicht ein Dutzend, so zum Beispiel in Thun, Winterthur, Basel, Biel oder eben Buchs.

Die traditionelle Allianzgebetswoche lockt mancherorts kaum mehr Leute in die Kapellen. Wie soll sie neuen Schwung bekommen?
Die Allianzgebetswoche ist ein zentrales Element. Sie braucht sicher neue Impulse und muss neu entdeckt werden. Das ist eine grosse Aufgabe. Ich habe den Eindruck, dass das lokale Miteinander noch stärker gesucht werden sollte. Und wir sollten uns vermehrt überlegen, wie wir in dieser Woche der ganzen Bevölkerung dienen können. Wir sollten uns mehr nach aussen orientieren.

Viel Beachtung findet Ihre Verteilzeitschrift „4telstunde“, wie jene zur Euro. Könnte damit auch die Medienarbeit der Gemeinde gefördert werden?
Wir fragen uns, ob die „4telstunde“ zur regelmässig erscheinenden Zeitung werden soll. Das wäre wichtig für die Identität der SEA und könnte auch der lokalen Allianz dienen, indem sie zum Beispiel eigene Einlagen beilegen könnte. Geprüft wird auch die verstärkte Zusammenarbeit mit andern Organisationen und Medienwerken.

Noch mehr Evangelisation und Mission: Damit rufen Sie nur Hugo Stamm und seinsgleichen auf den Plan.
Ich kenne Hugo Stamm persönlich. Ich habe nicht den Eindruck, dass er grundsätzlich ein Problem hat, wenn wir als Christen noch mehr Sichtbarkeit bekommen. Für mich ist Hugo Stamm kein Feindbild, vor dem man Angst haben müsste. Es sind ja auch mehr die Tendenzen zur Vereinnahmung, die er anprangert. Aber engagierte Christen bieten natürlich mehr Angriffsflächen. Doch schon Paulus hat gesagt, wir sollten uns freuen, wenn wir angegriffen werden. Sogar ungerechte Angriffe können etwas Positives bewirken. Die SEA will die Christen ermutigen, sich durch Angriffe auch nicht beirren zu lassen. Und es kann übrigens auch eine Chance sein, wenn wir hinterfragt werden oder uns selbst hinterfragen.

Was möchten Sie Hugo Stamm zum Thema Missionierung gerne einmal sagen?
So wenig wie die Katze das Mausen lassen kann, können wir es lassen, die gute Nachricht zu verbreiten. Jeder Mensch, der eine starke Überzeugung hat, trägt ein missionarisches Element in sich. Auch Hugo Stamm! Ich wünsche ihm, dass er vermehrt auch ein Auge dafür gewinnt, wie eine Beziehung zu Jesus Christus Menschen positiv verändern kann.

Was brächte es der Schweiz, wenn die SEA doppelt so viele Mitglieder hätte und einen viel höheren Stellenwert bekäme?
Wir hätten mehr Bürger, die Verantwortung übernehmen und sich für eine positive Veränderung der Gesellschaft einsetzen wollen. Denn Allianz-Christen haben nicht nur in der Vergangenheit überdurchschnittlich viel bewegt, zum Beispiel im sozialen und pädagogischen Bereich, sondern sind auch heute vielen Bereichen innovativ und engagiert. Die Schweiz würde ein Stück lebenswerter, offener, lebensbejahender.

Mit „Kickoff 2008“ leisten die SEA und viele örtliche Gemeinden während der Euro einen Grosseinsatz. Ihre Zwischenbilanz?
Die Aktion scheint ein Erfolg zu werden. Viele Gemeinden nutzen dieses grosse gesellschaftliche Happening, um sich selber einzubringen. Sie wollen sich nicht einfach abgrenzen, sondern signalisieren, dass sie sich als Teil des Fussballvolkes, als Teil dieser Gesellschaft verstehen.

Was könnte die SEA vom Fussball lernen?
Dass man nur in einem Team, in dem jeder einzelne seine Position gut ausfüllt, gemeinsam grosse Ziele erreichen kann.

Wahl zum Präsidenten der Schweizerischen Evang. Allianz

Der Berner Grossrat, Psychiater und Kirchenleiter Willfried Gasser wurde am 13. Juni von der Delegiertenversammlung in Aarau zum neuen Präsidenten der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) gewählt. Er wird Nachfolger von Thomas Bucher.

Zürich, 12. Juni 2008 (fh.) Der 51-jährige Wilfried Gasser stammt aus dem Kanton Schaffhausen, wohnt sei 1979 in Bern, wo er heute für die EVP im Grossrat sitzt und selbständig als Ehe-, Familien- und Sexualtherapeut wirkt. Der Arzt und Psychiater war bis 2007 Co-Pastor der Vineyard Bern, einer evangelischen Gemeinschaftsbewegung. Gasser gilt als integrierende und vermittelnde Persönlichkeit mit starkem Interesse an gesellschaftlichen, politischen und sozialen Fragen. So ist er Stiftungsrat der GEWA (Stiftung für berufliche Integration) sowie Mitgründer und Präsident des Männerforums, einer landesweiten christlichen Männerbewegung. Mit seiner Frau Christa, den drei erwachsenen Kindern und Freunden lebt „Wilf“ Gasser, wie er von allen Bekannten genannt wird, in einer Lebensgemeinschaft. Bereits seit sechs Jahren arbeitet er im Zentralvorstand der Evangelischen Allianz in der Deutschschweiz mit, dessen Präsidium er nun übernimmt. Gleichzeitig wird Gasser Co-Präsident des nationalen Verbandes der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA).

Familie und Gesellschaft als Schwerpunkt
Was reizt Willfried Gasser an dieser Aufgabe in der SEA? Die Vernetzung von Christinnen und Christen, darunter insbesondere von Fachleuten, sei seit vielen Jahren sein grosses Anliegen. Er möchte die Zusammenarbeit unter Kirchen und Organisationen fördern und Christen zu einem vermehrten und konstruktiven Engagement in den heissen Fragen der Gesellschaft ermutigen. Handlungsbedarf und einen persönlichen Schwerpunkt sieht Gasser bei den Familien. „Ich sehe eine grosse Diskrepanz zwischen dem weit verbreiteten Wunsch nach dauerhaften, guten Beziehungen in Ehe und Familie, und andererseits der Realität vieler zerbrechender Beziehungen“ sagt der Therapeut, der selber in einer neunköpfigen Familie aufgewachsen ist. Hier gelte es mit den verschiedensten Angeboten von Erwachsenenbildung und praktischer Hilfe anzusetzen. Dass die Familie auch politisch gestärkt werden muss, steht für Wilf Gasser ausser Frage.

Einsatz für mehr Gerechtigkeit
Den bisherigen Kurs der SEA will Gasser fortsetzen. Insbesondere, dass sich die Evangelische Allianz noch stärker für mehr Gerechtigkeit auf der Welt einsetzt, wie beispielsweise für die Armen und damit für die Erhöhungen der staatlichen Entwicklungshilfe. Generell möchte Gasser, dass die SEA mit der Gesellschaft vermehrt in einen öffentlichen Dialog tritt, denn „wenn die Menschen das Evangelium von Jesus Christus besser kennen würden, wüssten sie um seine Relevanz auch für unser modernes Leben in der Schweiz“, ist Wilf Gasser überzeugt. Zudem sieht der neue Präsident die guten Ordnungen Gottes nach wie vor als hilfreich für das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft.

Wer ist die SEA?
Unter dem Präsidium von Thomas Bucher, der im Hauptamt europäischer Leiter der christlichen Organisation „Operation Mobilisation“ ist, hat die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Mit Grossanlässen (Christustagen), Fachtagungen (beispielsweise zur Klimaerwärmung oder Integration von Schwachen), Plakataktionen, politischen Stellungnahmen sowie der Verteilzeitung „4telstunde“ gelang es der SEA zunehmend, als Stimme eines wachsenden Segments evangelischer Christinnen und Christen hörbar zu werden.